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Kinderwunsch – mit Vaginismus?

  • Anonym
  • 20. Jan.
  • 4 Min. Lesezeit

INHALTSWARNUNG: Diese Inhalte thematisieren Schwangerschaft und Geburt.


„Sie können ja gar nicht schwanger werden, wenn Sie keinen penetrativen Sex haben.“ – Da ich schon immer einen großen Kinderwunsch hatte, ist mir dieser Satz meiner Psychotherapeutin im Gedächtnis geblieben und brachte mich zum Nachdenken. Komischerweise habe ich zwar lange etliche Sorgen bezüglich einer Schwangerschaft gehabt, aber über das „schwanger werden“ mit Vaginismus hatte ich mir vorher nie den Kopf zerbrochen. Das änderte sich nun und ich begann zu überlegen.



Schwanger werden


Wenn du auch Vaginismus hast und schwanger werden möchtest, gibt es verschiedene Möglichkeiten abseits des vaginalen Geschlechtsverkehrs. Eine Möglichkeit könnte sein, das Sperma deines Partners in einem Applikator aufzufangen (der ist bei Vaginalcremes oft in der Packung dabei) und es so in die Vulva einzuführen. Die Applikatoren die ich kenne haben alle einen deutlich kleineren Umfang als ein Penis, so dass dir das Einführen vielleicht trotz Vaginismus möglich ist.

Wenn das nicht der Fall ist, würde ich mich an eine gynäkologische Praxis oder ein Kinderwunschzentrum wenden, in der Hoffnung, dass du dort Hilfe bekommst, wie möglicherweise eine künstliche Befruchtung für dich gestaltet werden könnte. Es gibt auch medizinische Verfahren, die diesem Applikations-Verfahren gleichkommen, nämlich die sogenannten Sperma-Mikroinjektionen, die unter bestimmten Umständen auch von Menschen verwendet werden, die keinen Vaginismus haben.

Ich hatte tatsächlich großes Glück: Noch bevor ich näher in die Planung eingestiegen bin, bin ich „einfach so“ schwanger geworden. Mein Freund hatte an meinen Vulvaeingang ejakuliert, ohne dass wir penetrativen Sex hatten. Wir sind gar nicht davon ausgegangen, dass das zu einer Schwangerschaft geführt haben könnte. Ein paar Wochen später war die Freude dafür dann umso größer!



Untersuchungen während der Schwangerschaft


Für viele Frauen mit Vaginismus sind gynäkologische Untersuchungen ja ein großes Problem. Vielleicht beruhigt dich zu hören, dass ich während der Schwangerschaft tatsächlich nur selten vaginal untersucht wurde. Beim Feststellen der Schwangerschaft wurde ein Ultraschall gemacht, bei dem der Stab dafür durch die Vagina eingeführt wurde. Ab der zweiten Untersuchung wurde der Ultraschall immer über die Bauchdecke vorgenommen. Ganz am Anfang geht das wohl noch nicht. Außerdem hat meine Gynäkologin am Ende der Schwangerschaft eine Tastuntersuchung in der Vulva gemacht. Es war also keinesfalls so, dass ständige vaginale Untersuchungen anstanden. Ich weiß natürlich nicht, ob das immer so ist. Für mich waren die Untersuchungen nicht angenehm, aber ganz gut möglich. Viele der Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft kannst du auch bei einer Hebamme statt in einer gynäkologischen Praxis wahrnehmen. Vielleicht ist diese Vorstellung für dich entspannter. Außerdem habe ich festgestellt, dass während der Schwangerschaft mein gesamter Vulvaeingang weicher wurde und der Vaginismus weitaus weniger ausgeprägt war.

Trotz dieser körperlichen Veränderungen hatte ich riesige Angst vor der Geburt. Nächtelang malte ich mir Horrorszenarien aus. Die Angst vor der Geburt wäre auch ohne den Vaginismus da gewesen, aber so war sie noch um einiges größer. Meine Gedanken kreisten ständig um die Frage, ob ein geplanter Kaiserschnitt die bessere Option wäre oder ich doch eine vaginale Geburt probieren sollte. Es wäre problemlos möglich gewesen aufgrund der psychischen Belastungen einen Kaiserschnitt zu wählen, letztendlich habe ich mich aber doch für eine Spontangeburt entschieden.

Vor der Geburt habe ich mich bei verschiedenen Krankenhäusern vorgestellt und stets auch von meinem Vaginismus berichtet. Tatsächlich war den meisten Hebammen „Vaginismus“ kein Begriff, den Gynäkologinnen, mit denen ich Kontakt hatte, dagegen schon. Sie waren sich einig, dass der Schmerz, den ich möglicherweise durch den Vaginismus haben würde, bei der Geburt durch die Wehen in den Hintergrund treten und eine Geburt trotz Vaginismus möglich sei. Sie meinten aber, dass die vaginalen Tastuntersuchungen, die während der Geburt nötig sein würden, ein Problem für mich sein könnten. Vor den Tastuntersuchungen hatte ich allerdings keine große Angst. Wenn du vor einer Geburt stehst, empfehle ich dir, dich ebenfalls bei verschiedenen Krankenhäusern vorzustellen und so schonmal herauszufinden, wo du dich verstanden und ernst genommen fühlst.



Die Geburt


Irgendwann war es dann so weit: Die Wehen setzten ein. Die ersten 24 Stunden veratmete ich sie zu Hause und kam insgesamt ganz gut mit ihnen zurecht. Dann fuhren wir ins Krankenhaus. Es war erstmal ernüchternd dort zu hören, dass der Muttermund noch nicht so weit geöffnet war wie erhofft. Also ging es weiter, bis mein Körper bereit für die letzte Geburtsphase war.

In der letzten Phase, den aktiven Presswehen, wird das Kind durch den Geburtskanal in die Welt geschoben. Daher war diese letzte Phase für mich der gefühlte Endgegner. Vorher öffnet sich „nur“ der Muttermund. Aus Angst davor, der Weg könne möglicherweise zu eng sein, verschlimmert durch den Geburts- und Vaginismusschmerz, habe ich mir kurz vor der letzten Phase eine PDA (=Periduralanästhesie) setzen lassen. Die PDA sorgt dafür, dass Schmerzen im Unterleib gehemmt oder ausgeschaltet werden. Das Legen der Nadel war zwar sehr unangenehm, aber die Wirkung war großartig: Die Schmerzen waren kaum noch zu spüren. Vielleicht beruhigt es dich ja auch, diese Option im Hinterkopf zu haben – ob Du nun Vaginismus hast, oder nicht. Nun würde ich dir gerne berichten, dass das Kind trotz Vaginismus den Weg durch den Geburtskanal ohne Probleme zurückgelegt hat. Ich kann dazu aber nichts sagen, da bei mir doch noch ein Kaiserschnitt nötig wurde. Dieser hatte nichts mit dem Vaginismus zu tun, sondern mit der ungünstigen Lage des Kindes, die zu Komplikationen geführt hat.



Und jetzt kommst du!


Ich möchte dir Mut machen, wenn du einen Kinderwunsch hast, dich ebenfalls auf den Weg zu machen. Man kann nicht alles vorher planen, aber man kann immer Stück für Stück Lösungen für die jeweilige Situation suchen.

Manches medizinische Personal ist unsensibel und kann nicht gut mit Ängsten und Besonderheiten umgehen. Ich finde das sehr unprofessionell, und du musst dir das nicht gefallen lassen. Such dir möglichst Personal, das in diesem Bereich kompetent ist und dich ernst nimmt! Wenn dich jemand aufgrund des Vaginismus komisch anguckt, guck komisch zurück. Lass dich nicht entmutigen!

Für mich war die Geburt zwar ein sehr herausforderndes Erlebnis, aber nicht so schlimm, wie ich es befürchtet hatte. Ich bin sehr froh, dass ich es gewagt habe und freue mich jeden Tag darüber, dass es genau dieses Kind geworden ist :-)

 
 
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